Aegid Roth

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Aegid (Karl) Roth (* 28. Juni 1761 von Rorschach; † 30. Juli 1844 Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 6. Januar 1780

Priesterweihe: 24. September 1785

Ämter

Lehrer in Muri: 1785–1792

Präzeptor in Muri: 1790–1792

Archivar: 1792–1805

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Josef Anton Roth und der Maria Magdalena Niborada Ackermann.

Lebensbeschreibung

P. Aegid Roth legte 1780 im Kloster Muri Profess ab. Er war erst in der Schule tätig und erscheint 1792 als Präzeptor. Von 1792 bis 1798 war er Archivar. Später hatte er keine Ämter mehr. Er war ein ruhiger, geräuschloser Mann, ein Sonderling. Er sei klein von Gestalt gewesen und rotwangig. Abt Adalbert Regli schrieb über ihn: Er "war eine sonderbare Erscheinung, ein Eremit selbst im Kloster, wenigstens seit Anfang dieses Jahrhunderts. 1790 wurde er zwar Schulprofessor oder Praeceptor u. 2 Jahre darnach Archivar, was er bis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts geblieben zu sein scheint, aber seither lebte er im Kloster nur für Gott und sich u. mied alle Conversation mit andern. Im Choral war er fleissig u. genau, den Choral verstand er gut, war etwas musikalisch u. spielte kurz und oft, auf seinem schlechten Clavier. Die hl. Messe las er exact und behend u. zur bestimmten Zeit u. alle klösterlichen Übungen u. Andachten machte er mit. Er kam auch genau zum Essen u. gieng an Spaziertägen mit Andern spazieren, aber isolirt, ohne mit Andern zu reden. Sprach man ihn um irgendeinen Dienst z.B. im Messe lesen oder Amthalten oder Messapplicieren an, so sagte er immer Ja u. thats! Wollte man aber mit ihm ein Gespräch anfangen, so sagte er meistens: Lassen Sie mich, oder antwortete kurz u. gieng davon. Er schrieb viel, aber meistens aus Büchern Philosophisches, Rhetorisches, u. trug es dann auf langen einsamen Conventgängen spazierend herum, oder las daraus bei Fenstern stehend u. floh davon, wenn man dazu kam. Er beichtete fleissig u. stets beim nämlichen Beichtvater, u. wenn er als Wochner oder Cantor an Freitagen culpa zu sagen hatte, klagte er sich immer über Nichthalten der hl. Regel u. Geräusch machen im Gehen an, was wenigstens äusserlich kaum der Fall war. So lebte er unbekümmert um die ganze Welt u. nicht wissend, was da vorging! Als das Kloster bei der Aufhebung mit Soldaten besetzt u. dann aufgehoben wurde, nahm er von allem keine Notiz, u. als man ihm sagte, er müsse nun fortgehen, wollte er nicht u. gieng wieder in seine Zelle u. konnte nur vom Abte durch vieles Zureden u. Vorstellen zum Kloster hinaus u. in die Kutsche gebracht werden, welche ihn mit H. Subprior u. Br. Alois nach Engelberg führte. Als der Abt ihn dort besuchte, sagte er ihm, es gefalle ihm da minder, er wolle lieber wieder nach Muri! Nach u. nach gewöhnte er sich auch hier hatte jedoch stets sichtliche Freude, wenn der Abt ihn zeitweise besuchen, u. war auch etwas gesprächiger u. fragte immer fort Muri nach! Er erreichte das volle 83te Lebensjahr u. schied dann mit allen hl. Sterbesakramenten versehen aus der Welt die er wahrhaft längste Zeit nicht mehr gekannt hat, ohne aber Geistesabwesend zu sein, da er die religiösen Pflichten genau auszuüben nie ermangelte! Mirabilis Deus in Sanctis suis!" [1] P. Aegid starb 1844 als Senior in Engelberg an "Brustwassersucht".[2]

Einzelnachweise

  1. StiAMG Sarnen N.623.3.3, Aufzeichnungen des Abtes Adalbert Regli über den Abzug von Muri, die Übernahme des Collegiums in Sarnen und die Niederlassung in Gries. Geschrieben 1862 zuhanden von P. Martin Kiem, S. 34-36.
  2. Unterlagen Professbuch P. Adelhelm Rast und Abt Dominikus Bucher sowie Zettelkatalog P. Adelhelm Rast im StiAMG Sarnen.

Bibliographie

  • Professbuch: Nr. 589.